{"id":13046,"date":"2015-03-24T23:52:26","date_gmt":"2015-03-24T22:52:26","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=13046"},"modified":"2015-03-25T11:24:36","modified_gmt":"2015-03-25T10:24:36","slug":"jetzt-wird-die-digitale-demenz-unserer-schueler-auch-noch-mit-viel-geld-vorangetrieben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=13046","title":{"rendered":"Immer mehr Computer an die Schulen &#8211; damit unsere Kinder noch ungebildeter werden!"},"content":{"rendered":"<p>Wenn jemand fordert, da\u00df unsere Sch\u00fcler solide Kenntnisse etwa in Geographie und Geschichte und (nat\u00fcrlich!) in der deutschen Sprache haben sollten, erntet er bei uns nur noch ein m\u00fcdes L\u00e4cheln. Solche Forderungen stammen ja, wie man gern zu sagen pflegt, &#8222;aus dem tiefsten 19. Jahrhundert&#8220; &#8211; und das stimmt sogar: sie beruhen auf einem Bildungsgedanken, wie ihn Wilhelm von Humboldt zu Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelt hat.<\/p>\n<p>Dieser Gedanke war das Fundament aller wissenschaftlichen Erfolge in unserem Land.<\/p>\n<p>Wer heute kein m\u00fcdes L\u00e4cheln, sondern frenetische Begeisterung bei Politik und Wirtschaft ernten will, mu\u00df die Digitalisierung unserer Schulen verlangen. Mehr Computer in den Schulen, am besten schon in den Kinderg\u00e4rten &#8211; und alles wird gut. Unseren Kindern fehlt &#8211; das sagt allen Ernstes die Gro\u00dfe Koalition mit Angela Merkel an der Spitze &#8211; die Kompetenz im Digitalen.<\/p>\n<p>Die Schulen sind f\u00fcr die IT-Wirtschaft, Hard- und Software eingeschlossen, ein gewaltiger Markt, ein Zukunftsmarkt ersten Ranges. Stellen Sie sich vor, wieviel Geld in ihre Kassen flie\u00dft, wenn jeder Sch\u00fcler vom Steuerzahler ein Tablet oder ein Notebook spendiert bekommt! Da\u00df da auf einmal von der Wirtschaft gesponserte &#8222;Studien&#8220; auftauchen, die beweisen wollen, wie segensreich Computer f\u00fcr die Bildung sind, versteht sich von selbst.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise hat Manfred Spitzer genau diese Zusammenh\u00e4nge in seinem Buch &#8222;Digitale Demenz&#8220; (unbedingt lesen!) aufgedeckt. Und er hat vor allem anhand vieler Studien gezeigt, da\u00df die Einf\u00fchrung von Computern beim Lernen nur Schaden anrichtet. Erst wer ein gr\u00fcndliches (analoges!) Bildungsfundament erhalten hat, kann aus der Arbeit mit dem Computer Gewinn ziehen. Das hei\u00dft, auf gut deutsch: Computer im Unterricht m\u00f6glichst gar nicht, und wenn, dann so sp\u00e4t wie m\u00f6glich!<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen uns entscheiden, ob wir in Zukunft Sch\u00fcler haben wollen, die nicht einmal mehr die Kontinente aufz\u00e4hlen k\u00f6nnen (&#8222;kann man ja, wenn&#8217;s sein mu\u00df, in der Wikipedia nachschlagen&#8220;), oder ob es beim Erziehungsziel des gebildeten Menschen bleiben soll. Der Abw\u00e4rtstrend in der traditionellen Bildung ist ohnehin kaum mehr zu stoppen &#8211; und in dieser Situation f\u00e4llt dem Kabinett Merkel, das ja auch sonst die schlechtesten Traditionen von CDU und SPD in sich vereint, tats\u00e4chlich nichts anderes ein als &#8211; ein &#8222;Pakt f\u00fcr Digitale Bildung&#8220; (wobei die Gro\u00dfschreibung des Adjektivs &#8222;digital&#8220; schon zeigt, wohin der Hase l\u00e4uft).<\/p>\n<p>Mit diesem Pakt sollen &#8222;die unterschiedlichen Aktivit\u00e4ten von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft geb\u00fcndelt&#8220; werden. In einem &#8222;L\u00e4nderstaatsvertrag&#8220; (<a title=\"hier\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/schulspiegel\/unterricht-am-pc-regierung-will-digitales-lernen-staerken-a-1025242.html\">hier<\/a> nachzulesen) m\u00fcsse dann<\/p>\n<blockquote><p>die F\u00f6rderung eines zeitgem\u00e4\u00dfen und altersgerechten Informatikunterrichts ab der Grundschule, eine bessere Aus- und Fortbildung der Lehrer sowie die Entwicklung bundeseinheitlicher Mindeststandards &#8222;zur digitalen Informations- und Medienkompetenz f\u00fcr die unterschiedlichen Altersstufen&#8220; der Sch\u00fcler vereinbart werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Eines wei\u00df inzwischen jeder, der auch nur halbwegs mit Verstand begabt ist: einen Text, in dem das Wort &#8222;Kompetenz&#8220; vorkommt, sollte man sofort l\u00f6schen. Denn: wo Kompetenz draufsteht, ist niemals, wirklich <em>niemals <\/em>Kompetenz drin! &#8222;Kompetenz&#8220;, &#8222;nachhaltig&#8220;, &#8222;klimaneutral&#8220;, &#8222;erneuerbar&#8220; usw., das sind alles Werbe- und Marketingbegriffe ohne Substanz geworden. Schon an der Wortwahl des Absatzes kann man ermessen, wie viele Lobbyisten da im Vorfeld mitgeschrieben haben.<\/p>\n<p>Offenbar gibt es aber immer noch Eltern, die allen Ernstes glauben, da\u00df es ein Zeichen des Fortschritts ist, wenn im Unterricht Computer eingesetzt werden. Da kann ich nur an das &#8222;Sprachlabor&#8220; der 70er Jahre erinnern, das seinerzeit als gr\u00f6\u00dfte Errungenschaft beim Erlernen von Fremdsprachen gefeiert wurde. Schon wenige Jahre sp\u00e4ter waren die Sprachlabore wieder aus den Schulen verschwunden.<\/p>\n<p>Sie m\u00f6gen technisch perfekt gewesen sein, aber Maschinen ersetzen eben niemals den Lehrer, den P\u00e4dagogen, sie sind ihm nicht einmal eine Hilfe. Wenn man an seine Schulzeit zur\u00fcckdenkt: an wen erinnert man sich da? Werden sich die heutigen Sch\u00fcler, von der Regierung mit Maschinen begl\u00fcckt, sp\u00e4ter einmal an ein Notebook oder ein Tablet erinnern?<\/p>\n<p>Das ist alles nur (wie es Papst Franziskus gern nennt) Schnickschnack.<\/p>\n<p>Nein, man erinnert sich an zwei oder drei Lehrer, an denen man selbst gewachsen und gereift ist. Computer kann man kaufen, gute Lehrer nicht. Computer sind inzwischen zur Wegwerfware geworden &#8211; aber einen guten Lehrer mit seiner ansteckenden Begeisterung f\u00fcr sein Fach vergi\u00dft man oft das ganze Leben lang nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn jemand fordert, da\u00df unsere Sch\u00fcler solide Kenntnisse etwa in Geographie und Geschichte und (nat\u00fcrlich!) in der deutschen Sprache haben sollten, erntet er bei uns nur noch ein m\u00fcdes L\u00e4cheln. 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