{"id":1301,"date":"2011-07-19T12:27:51","date_gmt":"2011-07-19T10:27:51","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=1301"},"modified":"2011-07-20T08:25:13","modified_gmt":"2011-07-20T06:25:13","slug":"allmachtsphantasien-in-der-finanzwelt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=1301","title":{"rendered":"Allmachtsphantasien in der Finanzwelt"},"content":{"rendered":"<p>Die inzwischen fast t\u00e4glichen Meldungen und &#8222;Herabstufungen&#8220; der sog. Ratingagenturen haben l\u00e4ngst die Grenze des Ertr\u00e4glichen \u00fcberschritten. Auch immer mehr Politiker fordern inzwischen, da\u00df die &#8222;Macht der Ratingagenturen gebrochen&#8220; werden mu\u00df. Nur &#8211; sie tun es nicht! Ganz im Gegenteil: wie das Kaninchen auf die Schlange, so starren sie \u00e4ngstlich auf die n\u00e4chste Herabstufung, die ihnen von\u00a0 <em>Fitch<\/em>, <em>Moody\u2019s<\/em> oder <em>Standard &amp; Poor\u2019s <\/em>\u00fcbermittelt wird.<\/p>\n<p>Sie lassen sich weiter von der Finanzwelt dem\u00fctigen, kriechen zu Kreuze, nehmen alles geduldig hin. Dabei sind sie doch gew\u00e4hlte Politiker, sie haben von uns ein Mandat bekommen, und sie m\u00fc\u00dften stolz darauf sein. Kein Banker, kein Mitarbeiter einer Ratingagentur, kein Anlageberater ist je von irgendjemand legitimiert worden, sie alle bedienen nur wirtschaftliche Interessen, \u00fcber die man im \u00fcbrigen meist wenig wei\u00df. Ein Politiker mu\u00df sich vor solchen Interessenvertretern doch nicht verstecken! Die moralische Autorit\u00e4t selbst des letzten Hinterb\u00e4nklers liegt meilenweit \u00fcber der dieser Gewinnemacher, Spekulanten und Finanzjongleure.<\/p>\n<p>Aber die Politiker, soweit sie nicht einfach Angst (und eine nicht unbegr\u00fcndete Angst!) vor der Macht der Finanzwelt haben, empfinden vielleicht gleichzeitig auch so etwas wie eine uneingestandene, klammheimliche Bewunderung f\u00fcr diese M\u00e4nner, die so viel m\u00e4chtiger sind als sie selbst. W\u00e4hrend sie sich um Wahlkreise und Rechtsvorschriften und jeden Kleinkram k\u00fcmmern m\u00fcssen, k\u00f6nnen die Finanzjongleure schalten und walten, wie sie wollen. Niemand hat sie legitimiert, also sind sie auch niemandem verantwortlich. Wenn sie ganze Firmen (und damit vielleicht Hunderttausende von Arbeitnehmern) ins Ungl\u00fcck st\u00fcrzen &#8211; was ist dabei? Sie haften f\u00fcr nichts, sie erstatten nichts, f\u00fcr sie gilt keine Moral. Sie sind so frei, wie es kein demokratischer Politiker je sein kann.<\/p>\n<p>Und diese Freiheit ist in der Finanzwelt die Quelle von ungeheuren Allmachtsphantasien geworden. Es ist Macht ohne Verantwortung, man kann tun und lassen, was man will, ohne f\u00fcr irgendetwas haftbar gemacht zu werden. Mit einer einzigen Pressemeldung k\u00f6nnen sie ganze L\u00e4nder ins Ungl\u00fcck st\u00fcrzen &#8211; und sie k\u00f6nnen es nicht nur, sie tun es. Griechenland, Irland, Portugal, ein paar Herabstufungen, und schon zittert ganz Europa. Man braucht kein Psychologe zu sein, um sich vorzustellen, was da in den K\u00f6pfen vor sich geht. \u00dcber die Ethik in der Finanzwelt hat man vielleicht einmal am Beginn der Karriere in einem Seminar gesprochen, danach nicht mehr. Wozu auch? Die Ethik w\u00e4re nur l\u00e4stig, hinderlich. <em>Markt ohne Moral<\/em>, so hei\u00dft denn auch das Buch von Susanne Schmidt, der Tochter von Helmut und Loki Schmidt, die als Investment-Analystin viele Jahre ein Teil des Systems war.<\/p>\n<p>So hat man im Lauf der Jahre jedes Ma\u00df verloren und mu\u00df \u00fcber die Folgen des eigenen Tuns nicht mehr nachdenken.<\/p>\n<p>Viele meinen, es ginge hier nur um einen wirtschaftlichen Konflikt zwischen den meist in den USA beheimateten Ratingagenturen auf der einen und den europ\u00e4ischen L\u00e4ndern auf der anderen Seite, also um die Kluft zwischen der <em>neuen Welt<\/em> und dem <em>alten Europa<\/em>. Aber warum greifen diese Agenturen dann immer heftiger ihr eigenes Land an und setzen es unter Druck? Heute hat Moody&#8217;s, wie man in der F.A.Z. nachlesen kann, die USA aufgefordert,<\/p>\n<blockquote><p>die Obergrenze bei der Staatsverschuldung abzuschaffen, um Investoren nicht zu verunsichern.<\/p><\/blockquote>\n<p>Schon vorher hatte die Agentur den Vereinigten Staaten mit einer Aberkennung der bisherigen Bestnote gedroht. Es geht also nicht um wirtschaftliche Konflikte zwischen L\u00e4ndern oder Kontinenten, es geht um viel mehr. Es geht, kurz gesagt, um eine Art Entscheidungsschlacht zwischen demokratisch legitimierter staatlicher Autorit\u00e4t und einer v\u00f6llig au\u00dfer Rand und Band geratenen Finanzwelt, die keine Grenzen, keinen Anstand und keine Moral mehr kennt.<\/p>\n<p>Diese Schlacht ist nocht nicht entschieden. Aber mit jedem Tag schwindet die Hoffnung, da\u00df man diese von ihrer Macht betrunkenen, international vernetzten Finanzmanager noch in die Schranken weisen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die inzwischen fast t\u00e4glichen Meldungen und &#8222;Herabstufungen&#8220; der sog. Ratingagenturen haben l\u00e4ngst die Grenze des Ertr\u00e4glichen \u00fcberschritten. Auch immer mehr Politiker fordern inzwischen, da\u00df die &#8222;Macht der Ratingagenturen gebrochen&#8220; werden mu\u00df. Nur &#8211; sie tun es nicht! 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