{"id":12802,"date":"2015-02-05T10:10:24","date_gmt":"2015-02-05T09:10:24","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=12802"},"modified":"2015-02-05T10:11:58","modified_gmt":"2015-02-05T09:11:58","slug":"das-internet-die-cloaca-maxima-unserer-zeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=12802","title":{"rendered":"Das Internet &#8211; die Cloaca maxima unserer Zeit"},"content":{"rendered":"<p>Alles, was den menschlichen K\u00f6rper als \u00fcbelduftendes Exkrement verl\u00e4\u00dft, hat man im alten Rom in der <em>cloaca maxima <\/em>gesammelt und in den Tiber geleitet.<\/p>\n<p>Die <em>cloaca maxima <\/em>unserer Zeit ist das Internet. Alles Ekelhafte, jede nur denkbare menschliche Dummheit, jede Perversion, jede Sumpfbl\u00fcte des Gehirns wird im Internet gesammelt und &#8211; leider! &#8211; nicht in den Tiber geleitet, sondern direkt in die Gehirne der Benutzer.<\/p>\n<p>Es ist eine stinkende Br\u00fche, der man kaum entkommt.<\/p>\n<p>Aber das Internet hat doch auch wertvolle Seiten! &#8211; werden jetzt manche sagen. Nat\u00fcrlich. Auf die Wikipedia m\u00f6chte niemand mehr verzichten, und \u00fcber manches andere freue ich mich jeden Tag: die Bestandskataloge aller Bibliotheken der Welt, das ZVAB antiquarischer B\u00fccher, Google Maps usw. Aber selbst wenn man alle diese n\u00fctzlichen Angebote zusammennimmt, stellen sie vielleicht 0,01 % des Internets dar.<\/p>\n<p>Und der Rest? Schrott, nur Schrott. Was den &#8222;Erfindern&#8220; und Verteidigern des Internets als durch und durch demokratische Struktur vorschwebte, da\u00df n\u00e4mlich zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit jeder ungefiltert seine Meinung \u00e4u\u00dfern kann, hat sich zu einem Albtraum entwickelt. Ein Blick in die Foren unserer gro\u00dfen Tageszeitungen gen\u00fcgt: da herrscht nicht etwa Demokratie, da findet kein kluger Austausch von Meinungen statt, nein: da schauen wir in die Abgr\u00fcnde der menschlichen Dummheit. Wut, Arroganz und Bosheit unter dem Schutz der Anonymit\u00e4t ersticken dort jede Freude am Diskutieren. Menschen, die nicht einmal die deutsche Sprache beherrschen, f\u00fchlen sich als Journalisten, wenn nicht gar als Philosophen, und kanzeln alles ab, was \u00fcber ihren niedrigen Horizont hinausgeht.<\/p>\n<p>Nirgendwo sonst wird uns so drastisch vorgef\u00fchrt, wie roh und primitiv der Mensch (trotz seiner langen Evolutionsgeschichte) immer noch ist.<\/p>\n<p>Gewi\u00df, der Mensch war vor dem Internet nicht anders als heute. Aber damals mu\u00dfte man diese traurige Erkenntnis nicht Tag f\u00fcr Tag schmerzhaft erleben. Da war eben noch alles <em>gefiltert<\/em>: wer einen Leserbrief an eine Zeitung schickte, wu\u00dfte nicht, ob er die strenge Kontrolle der Redaktion \u00fcberzeugen w\u00fcrde. Wer ein Buch ver\u00f6ffentlichen wollte, mu\u00dfte daf\u00fcr einen Verlag finden (und die hohe H\u00fcrde des Lektorats \u00fcberwinden).<\/p>\n<p>Jetzt darf jeder alles &#8211; und entbl\u00f6\u00dft sich nach Herzenslust. Der Mensch ist im Internet nackt, man sieht ihn (leider) auch in seiner Kleinheit, in seiner Aufgebl\u00e4htheit, in seinem hilflosen Versuch, sich gro\u00df und wichtig zu machen. Ein Zyniker mag sich dar\u00fcber freuen. Ich nicht.<\/p>\n<p>Es kommt bei mir immer st\u00e4rker eine Sehnsucht nach der guten alten Zeit auf, als es noch keine &#8222;sozialen Netzwerke&#8220; gab, als die Menschen ihre Meinungen nur in der Familie und in der Kneipe \u00e4u\u00dferten (heute m\u00fcssen sie\u00a0 ja unbedingt die ganze Welt daran teilhaben lassen!), als man noch (handgeschriebene!) Briefe und Ansichtskarten verschickte, als man auch noch, statt in Google Maps zu gehen, einen Atlas aus dem Regal holte und darin bl\u00e4tterte.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber, was der Mensch ist, konnte man damals noch seine Illusionen haben. Heute, in den Zeiten des Internets, steht er nackt vor uns, und das ist wei\u00df Gott nicht immer ein sch\u00f6ner Anblick.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alles, was den menschlichen K\u00f6rper als \u00fcbelduftendes Exkrement verl\u00e4\u00dft, hat man im alten Rom in der cloaca maxima gesammelt und in den Tiber geleitet. Die cloaca maxima unserer Zeit ist das Internet. Alles Ekelhafte, jede nur denkbare menschliche Dummheit, jede &hellip; <a href=\"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=12802\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11,14,16],"tags":[],"class_list":["post-12802","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fernsehen","category-internet","category-philosophie"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12802","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12802"}],"version-history":[{"count":6,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12802\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12808,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12802\/revisions\/12808"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12802"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12802"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12802"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}