{"id":11706,"date":"2014-08-05T15:00:13","date_gmt":"2014-08-05T13:00:13","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=11706"},"modified":"2014-08-05T15:00:28","modified_gmt":"2014-08-05T13:00:28","slug":"goethe-und-das-leben-nach-dem-tode","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=11706","title":{"rendered":"Goethe und das Leben nach dem Tode"},"content":{"rendered":"<p>Gestern habe ich wieder ein bi\u00dfchen in Goethes &#8222;Gespr\u00e4chen mit Eckermann&#8220; gest\u00f6bert, was immer interessant ist und zu erstaunlichen Funden f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Am 4. Februar 1829 (da war Goethe schon 79 Jahre alt) drehte sich das Gespr\u00e4ch um das Fortleben nach dem Tode. Goethe pl\u00e4diert f\u00fcr eine strenge Trennung von Philosophie und Religion. Die christliche Religion, sagt er, sei ein &#8222;m\u00e4chtiges Wesen f\u00fcr sich&#8220;, sie sei<\/p>\n<blockquote><p>\u00fcber aller Philosophie erhaben und bedarf von ihr keiner St\u00fctze.<\/p><\/blockquote>\n<p>Umgekehrt sollte sich aber auch die Philosophie nicht von der Religion abh\u00e4ngig machen:<\/p>\n<blockquote><p>So auch bedarf der Philosoph nicht das Ansehen der Religion, um gewisse Lehren zu beweisen, wie z.B. die einer ewigen Fortdauer. Der Mensch soll an Unsterblichkeit glauben, er hat dazu ein Recht, es ist seiner Natur gem\u00e4\u00df, und er darf auf religi\u00f6se Zusagen bauen; wenn aber der Philosoph den Beweis f\u00fcr die Unsterblichkeit aus einer Legende hernehmen will, so ist das sehr schwach und will nicht viel hei\u00dfen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Soweit kann man Goethe zustimmen. Religion und Philosophie haben zwar weitgehend denselben Gegenstand, aber methodisch gehen <em>logos <\/em>und Glauben ganz verschieden vor (wobei Goethes Wort &#8222;Legende&#8220; schon ein bi\u00dfchen despektierlich ist, es klingt so, als rede er wie manche Kirchenkritiker von den christlichen &#8222;Hist\u00f6rchen&#8220;).<\/p>\n<p>Aber wirklich interessant und intellektuell aufregend wird es erst mit den darauffolgenden S\u00e4tzen des Dichters:<\/p>\n<blockquote><p>Die \u00dcberzeugung unserer Fortdauer entspringt mir aus dem Begriff der T\u00e4tigkeit; denn wenn ich bis an mein Ende rastlos wirke, so ist die Natur verpflichtet, mir eine andere Form des Daseins anzuweisen, wenn die jetzige meinem Geist nicht ferner auszuhalten vermag.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich habe ja vor einiger Zeit \u00fcber <a title=\"&quot;meine Gottesbeweise&quot;\" href=\"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=5905\">&#8222;meine Gottesbeweise&#8220;<\/a> geschrieben, aber dieser, der Goethesche, kann es ohne weiteres mit ihnen aufnehmen. Die &#8222;rastlose T\u00e4tigkeit&#8220; (ein f\u00fcr Goethe \u00fcbrigens ganz typischer Begriff), mit der wir uns ja oft noch bis ans Lebensende plagen, h\u00e4tte etwas v\u00f6llig Absurdes, wenn mit dem Tod buchst\u00e4blich alles zu Ende w\u00e4re (wie es die platten Atheisten glauben). Wenn wir fast alle das ganze Leben lang t\u00e4tig sind, dann doch nur, weil wir insgeheim wissen, da\u00df wir am Ende nur in eine &#8222;andere Form des Daseins&#8220; wechseln.<\/p>\n<p>Mir leuchtet das ein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern habe ich wieder ein bi\u00dfchen in Goethes &#8222;Gespr\u00e4chen mit Eckermann&#8220; gest\u00f6bert, was immer interessant ist und zu erstaunlichen Funden f\u00fchrt. Am 4. 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