{"id":11271,"date":"2014-05-21T13:37:04","date_gmt":"2014-05-21T11:37:04","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=11271"},"modified":"2014-05-23T15:05:08","modified_gmt":"2014-05-23T13:05:08","slug":"die-evangelische-kirche-und-die-kraft-des-zentrifugalen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=11271","title":{"rendered":"Die evangelische Kirche und die Kraft des Zentrifugalen"},"content":{"rendered":"<p>Wer gedacht hat, da\u00df sich das Zeitalter des Zentrifugalen in der evangelischen Kirche dem Ende entgegenneigen w\u00fcrde, sieht sich inzwischen eines Schlechteren belehrt. Da\u00df man das Zentrum \u00fcber der Peripherie vernachl\u00e4ssigt: das ist immer noch typisch evangelisch.<\/p>\n<p>Was will ich damit sagen? Es ist im Grunde ganz einfach: alles das, was Kirche in ihrem Wesen ausmacht, was ins innerste Herz des einzelnen Menschen und der Welt zielt, also Evangelium und Verk\u00fcndigung, die Fragen von Leben, Tod und Auferstehung, oder, um es in einem einzigen Wort zusammenzufassen: die Frage nach Gott (der in den Predigten immer \u00f6fter nur noch als der\u00a0<em>gute Gott <\/em>erscheint und<em>\u00a0<\/em>so verniedlicht, bagatellisiert und ein bi\u00dfchen verkitscht wird), der harte Kern der Religion also, das Zentrum der Kirche, das alles tritt immer mehr in den Hintergrund. Man spricht von einer Wohlf\u00fchlkirche, und leider ist das nicht falsch. Wenn die Kirche nur noch \u00fcber die R\u00e4nder spricht und dar\u00fcber das Zentrum vernachl\u00e4ssigt, dann ist es etwas faul in ihr.<\/p>\n<p>Protestanten, vor allem die Pfarrerinnen, haben viele Themen, die ihnen, wie es scheint, ans Herz gewachsen sind: Sozialarbeit, Feminismus, Asylpolitik usw. (sogar Schminkkurse gibt es schon). Alles sch\u00f6n und gut &#8211; aber dazu brauche ich keine Kirche. Im Mittelpunkt m\u00fcssen doch die <em>harten <\/em>Themen stehen, nicht der <em>weiche Rand. <\/em>Wann erlebt man schon einmal eine Predigt, bei der man das Wort <em>tua res agitur <\/em>wirklich sp\u00fcrt? Statt dessen gibt es ein bi\u00dfchen Lebensberatung, ein bi\u00dfchen moralische Mahnung, ein bi\u00dfchen Erbauung, und man hat nicht selten das Gef\u00fchl, da\u00df der Pfarrer (meistens ist es ja eine Pfarrerin) meint, er habe Mummelgreise vor sich.<\/p>\n<p>Kann man mit solchen Predigten die Menschen wirklich anr\u00fchren? Nie und nimmer.<\/p>\n<p>Aber die evangelische Kirche macht munter so weiter. Jetzt hat sie in Hannover &#8211; man h\u00f6re und staune &#8211; ein &#8222;Studienzentrum f\u00fcr Genderfragen&#8220; er\u00f6ffnet. Offenbar kann es nicht genug Feminismus, nicht genug Gender in der Kirche geben. Reicht es denn nicht, da\u00df man die grauenhafte &#8222;Bibel in gerechter Sprache&#8220; mitfinanziert hat?<\/p>\n<p>Die evangelische Kirche ist heutzutage das letzte Refugium, in dem die Vertreter der Gendertheorie noch unbeschr\u00e4nkt schalten und walten d\u00fcrfen. \u00dcberall sonst m\u00fcssen sie sich kritischen Fragen stellen, aber hier genie\u00dfen sie bis in die h\u00f6chsten Stellen hinein Narrenfreiheit. Das liegt auch daran, da\u00df es immer mehr Pfarrerinnen gibt, und da\u00df offenbar viele von ihnen aus einem bestimmten feministischen Milieu kommen. Sie k\u00f6nnen ihre Neigungen in der Kirche ausleben &#8211; und sie machen die Genderfrage, also ein kirchliches Randthema, immer \u00f6fter zum Mittelpunkt ihrer Verk\u00fcndigung.<\/p>\n<p>Die Er\u00f6ffnung des Studienzentrums f\u00fcr Genderfragen wurde nat\u00fcrlich geh\u00f6rig gefeiert. Die Studienleiterin f\u00fcr Wissenschaftliche Theologie sagte bei einem Festmahl (<a title=\"hier\" href=\"http:\/\/www.ekd.de\/presse\/pm58_2014_geschlechterfragen_sind_zukunftsfragen.html\">hier<\/a> nachzulesen):<\/p>\n<blockquote><p>Geschlechterbewusste Theologie steht f\u00fcr eine Kultur der Wertsch\u00e4tzung in unserer Kirche, die Unterschiede hoch achtet und gleichzeitig darauf schaut, was uns verbindet.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein &#8222;Atlas zur Gleichstellung in der Evangelischen Kirche&#8220; sei in Vorbereitung. Das Zentrum werde au\u00dferdem, so die Drohung,<\/p>\n<blockquote><p>genderrelevante Modelle, Erfahrungen und Praxisbeispiele aus Kirche und Gesellschaft entsprechend aufbereiten, damit sie in der Kirche genutzt werden k\u00f6nnen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Vorsitzende des Rates der EKD, Nikolaus Schneider, ist nat\u00fcrlich voll des Lobes \u00fcber alles Genderige, aber er wei\u00df auch, da\u00df nicht alle Gl\u00e4ubigen (er nennt sie &#8222;Adressaten&#8220;) davon begeistert sind. Deshalb gibt es demn\u00e4chst eine Personal- und Finanzspritze:<\/p>\n<blockquote><p>Eine besondere Herausforderung stellt sich mit der Aufgabe, die erarbeiteten Inhalte an die Adressaten zu bringen und die daf\u00fcr geeignete Kommunikationsform zu finden. Damit diese Aufgabe gut gelingen kann, hat der Rat beschlossen, im Bereich Kommunikation und \u00d6ffentlichkeitsarbeit noch zus\u00e4tzliche Personalressourcen zur Verf\u00fcgung zu stellen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und so tanzt die evangelische Kirche weiter auf den R\u00e4ndern &#8211; und hinterl\u00e4\u00dft eine Brache genau dort, wo sorgf\u00e4ltiger Ackerbau am wichtigsten w\u00e4re. Die ganze Gender-Mode ist n\u00e4mlich, um mit dem Prediger im Buch Kohelet zu sprechen &#8211; nur Windhauch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer gedacht hat, da\u00df sich das Zeitalter des Zentrifugalen in der evangelischen Kirche dem Ende entgegenneigen w\u00fcrde, sieht sich inzwischen eines Schlechteren belehrt. Da\u00df man das Zentrum \u00fcber der Peripherie vernachl\u00e4ssigt: das ist immer noch typisch evangelisch. 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